Wie ich zur Kälberliesel wurde

20.05.2006

Zur Zeit halte ich mich wieder einmal in unserem Freizeit und Feriendomizil auf, was sich in der Nähe einer kleinen Ortschaft im Landkreis Wittenberg befindet.

Nicht weit (Luftlinie ca. 300 m) von unserer „Datsche“ ist ein Bullenstall. Zur Zeit sind dort auf der Koppel Kälber. Allerdings sind sie schon relativ groß. So groß, dass ich schon ganz schön viel Respekt vor ihnen habe.

Frl. Lieschen Müller (mein Labradormädel) und ich haben einen Spaziergang gemacht. Lisa ist natürlich immer sehr interessiert, was die Kälber machen. Umgekehrt, sind die Kälber auch sehr an Lisa und an mir interessiert. Wenn sie uns sehen, kommen sie immer an den Weidezaun in unserer Richtung.

Ich weiß nicht wie, aber ein Kalb hatte es irgendwie geschafft, sich aus dem Gatter zu befreien. Natürlich habe ich es erst nicht bemerkt. Das Kalb trottete ganz dicht hinter mir her. Der Abstand der Kalbsnase zu meinem Rücken betrug etwa 20 cm. Ich wurde nur aufmerksam, weil Frl. Müller bellend um mich herum gesprungen ist.

Mein Herz rutschte in die Hose, als ich mich umdrehte und Auge in  Auge dem Kalb gegenüber stand.

Als Teufelchen habe ich natürlich keine Erfahrung von Ackerbau und Viehzucht…

Ich dachte nur, nichts wie weg hier. Je schneller ich ging, um so schneller kam auch das Kalb hinter mir her. Es war mir nicht möglich zu entkommen. Also versuchte ich mich so ruhig wie möglich zu verhalten. Habe beruhigend auf das Kalb eingeredet. Je mehr ich zu ihm gesprochen habe, um so zutraulicher wurde das Tier. Es suchte bei mir nach Körperkontakt. Mit größter Überwindung habe ich es dann an der Stirn- dann auch an der nassen Nase gestreichelt.

Aus der Ferne haben uns die anderen Kälber beobachtet und dachten wohl, da müssen wir auch hin, wir wollen auch gestreichelt werden. Jedenfalls kamen immer mehr Kälber. Frl. Müller fand das so richtig toll und ich habe mich dann auch, wohl oder übel, mit den Rindviechern angefreundet.

Da ich nicht weiß, wem der Bullenstall gehört, habe ich in meiner großen Not mit meinem Handy den Notruf 110 gewählt und die Polizei informiert, dass dort einige Kälber aus dem Gatter getürmt waren. Es war schon wichtig, in der Nähe führt nämlich eine Bundesstraße vorbei. Wie schnell hätten die Kälber die Richtung wechseln können, um zur Bundesstraße zu gelangen. Aber scheinbar waren sie von Frl. Müller und mir so fasziniert, dass ihr Interesse nur uns galt.

Was mich an der ganzen Geschichte nun sehr beunruhigt hat ist die Tatsache, dass die Dame die meinen „Notruf“ entgegen genommen hatte, nicht wusste, wo sich der Ort befindet. Ich musste der Dame noch eine Wegbeschreibung geben, wie sie zu diesem kleinen Ort kommen.

Es dauerte noch etwa 15 Minuten bis ein Polizeiauto eintraf. Ich stand mitten zwischen den Kälbern und die Polizeibeamten trauten sich nicht aus dem Auto zu steigen. Sie telefonierten rum und suchten den Besitzer der Tiere, der dann auch bald kam um die Kälber wieder in das Gatter zu treiben.

Ich wage es kaum mir vorzustellen, einmal einen richtigen Notruf wegen Überfall oder andere schlimmen Dinge tätigen zu müssen. Wenn ich in so einer Situation noch eine Wegbeschreibung abgeben müsste… nicht auszudenken!