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Oft
erinnere ich mich an die Zeiten meiner Kindheit in den frühen 50er
Jahren.
Besonders spannend bleibt mir dabei der Waschtag in Erinnerung. Für
mich als kleines Mädchen eine aufregende Sache.
Wir wohnten in einem Mietshaus in einem Aufgang, der mal ein Hotel
gewesen war. Das allerdings lag noch länger zurück. Nämlich vor dem
II. Weltkrieg. Nun wohnten wir ganz allein im Aufgang 1 mit dem
Hausbesitzer unter uns und jeder Menge leer stehender Büroräume.
Aber es gab für die Mieter aller drei Aufgänge eine einzige Waschküche
deren Schlüssel man einmal im Monat bekam und die meine Mutti aushändigte.
Denn sie war die Hauswartsfrau.
Einen ganzen Monat war Schmutzwäsche gesammelt worden. Allerdings wurde
nicht jeden Tag die Unterwäsche gewechselt und zur Schonung meiner
Kleider bekam ich eine Schürze verpasst, die ich bei den Mahlzeiten
trug.
Waren wir also dran mit dem Waschtag, so begann es schon am Abend zuvor
ziemlich aufregend.
Die Waschküche befand sich auf dem Boden des letzten Aufgangs.
Mit einer Kerze in der einen Hand und einem großen Wäschekorb in der
anderen, schleppte meine Mutter gemeinsam mit meinem Vater die riesige
Ladung von Weiß - und Buntwäsche über die dunklen Böden von
Hausaufgang 2 und 3. Ich war mit dabei um die schweren Brandschutztüren
zwischen den einzelnen Treppenfluren aufzuhalten. Manchmal raschelte es
hier und da hinter den Holzverschlägen, in denen Mieter altes Zeug
aufbewahrt hatten. Das waren Ratten, vor denen meine Mutter fürchterliche
Angst hatte oder Fledermäuse, die von den Balken kopfüber herabhingen
und gestört wurden.
Geschichten gab es auch über diese Böden. Verfolgte Juden in der
Nazizeit hatten hier Unterschlupf gefunden und wurden während der
ganzen Kriegszeit über von einer Mieterin versteckt und versorgt.
Waren wir endlich in der Waschküche angekommen, so wurde unter einem
großen Waschkessel Feuer gemacht und wir blieben so lange dort,
jedenfalls meine Mutter und ich bis das Wasser heiß genug war. Dann
wurde die Weißwäsche hineingetan und dazu Kernseife und Waschpulver.
Das Feuer wurde wieder gelöscht und nun konnte die Wäsche über Nacht
einweichen.
Am nächsten Morgen durfte ich dann , sofern ich keine Schule hatte
"mithelfen". Es war aber kein Helfen sondern ein Herumpanschen
im Wasser.
Nun wurde die Wäsche mit einem Wäschestock in eine riesige Zinkwanne
befördert. Dort wurde mit Hilfe eines Waschbretts gerubbelt und
gerubbelt, bis sich fast die Haut an den Händen meiner Mutti löste.
Danach wieder in einem anderen Zinkgefäß gespült, bis das Wasser klar
war.
Dann ging es auf den Hängeboden mit der zuvor mit der Hand
ausgewrungenen Wäsche.
War alles ein oder zwei Tage später trocken, dann wurde die Wäschemangel
in Betrieb genommen, die bei uns in der Badestube stand.
Und endlich alles schrankfertig gelegt.
Als bei uns ins Haus die Firma Miele einzog und dort im zweiten
Stockwerk Waschmaschinen vorführte, war mein Vater der erste Käufer
einer elektrischen Wäscheschleuder, die meiner Mutter wenigstens das
Wringen der klitschnassen Wäsche ersparte.
Heute in der Zeit moderner Waschmaschinen kann man sich das gar nicht
mehr vorstellen, wie hart früher doch eine Hausfrau gearbeitet hat. Was
für mich ein lustiges Abenteuer war, für meine Mutti war es ein harter
Job.

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